Die hier vorgestellten Texte des Komponisten zur Musik umfassen einen Zeitraum von fast 50 Jahren. So verschieden die Anlässe sind, die zu den schriftlichen Äußerungen führten, fällt doch schon in manchen Überschriften auf, dass es da um Neues geht: um neues Singen, neues Hören, neue Lieder. Das reicht vom kämpferischen Einsatz aus dem Jahr 1935 für das ernste, weniger das Gefühl des Einzelnen als vielmehr den überlieferten Glauben der Kirche betonende Lied bis zur eindringlichen Analyse der Sammlung neuer Lieder vom Jahre 1983. Ging es zunächst um eine notwendige Rückbesinnung auf das "überkommene Glaubenserbe" (für die das Evangelische Kirchengesangbuch von 1950 steht - auch mit dem Lied "Die Nacht ist vorgedrungen"!), so gewinnt der Einsatz für die in großer Vielfalt entstehenden neuen Lieder immer mehr Raum. Das schließt die kritische Auseinandersetzung mit ihnen durchaus ein. Der Blick reicht dabei über die Kirchenmusik hinaus und erfasst das Problem der neueren Musik überhaupt zwischen alten Hörgewohnheiten und modernen Stilmitteln. Ein konkretes Beispiel für das eigene Komponieren in diesem Spannungsfeld bietet sein Referat vor Studierenden der Kirchenmusikschule Dresden. Schließlich - und zeitlich mittendrin - wird auch die Verlegenheit des Komponisten angesichts der Anforderungen, immer wieder Neues hervorzubringen, mit Humor in selbstkritischer Distanz betrachtet. Aus allen Texten wird deutlich, dass der Komponist seine Tätigkeit als Kirchenmusiker vor allem als energischen Einsatz für "das neue Lied" auf allen ihm zugänglichen Ebenen verstand - in der Gemeinde, auf Singwochen, in Gremien, in Medien und nicht zuletzt mit dem Bleistift auf dem Notenblatt.

Hier ist der erste Rundbrief von Samuel Rothenberg und Gottfried Schneider aus dem Jahr 1941 ("Rüstbrief einer jungen Gemeinde"). Er gibt Aufschluss über die Zielsetzung und theologische Begründung der von einem Freundeskreis initiierten geistlichen Bewegung mit vielen Bezügen zum christlichen Liedgut und Hinweisen auf die von S. Rothenberg herausgebenen Liederhefte "Das Aufgebot" und "Lieder einer jungen Gemeinde". Im Nachlass von Johannes Petzold findet sich ein dickes Konvolut dieser Rundbriefe bis in das Jahr 1945.

Kürzlich war in einer Zeitschrift zu lesen: Ein Theorielehrer für Musik stellte auf einer Tagung die These auf, man könne heute zwar sagen, was Musik sei, aber nicht, was Kirchenmusik sei. Ein Junger Komponist versuchte darauf am folgenden Tage in einem improvisierten Vortrag nachzuweisen, dass man heute zwar nicht wisse, was Musik sei, aber immerhin, was Kirchenmusik sei.

Melodie 1983 zu einem Text von Lothar Zenetti (ein Abendmahlslied) und ihre Entstehung - eine Einführung für Studierende der Kirchenmusikschule Dresden aus dem gleichen Jahr;

Musik ist eine gesteigerte Lebensäußerung. Sie sagt aus, aber es fehlt ihr die begriffliche Bestimmtheit; sie bildet ab, aber sie tut es in dem flüchtigen Material der Töne. Trotz dieser Begrenzungen bietet sie Möglichkeiten zu höchsten schöpferischen Leistungen und zu tiefen Wirkungen auf den Menschen.