Die hier vorgestellten Texte des Komponisten zur Musik umfassen einen Zeitraum von fast 50 Jahren. So verschieden die Anlässe sind, die zu den schriftlichen Äußerungen führten, fällt doch schon in manchen Überschriften auf, dass es da um Neues geht: um neues Singen, neues Hören, neue Lieder. Das reicht vom kämpferischen Einsatz aus dem Jahr 1935 für das ernste, weniger das Gefühl des Einzelnen als vielmehr den überlieferten Glauben der Kirche betonende Lied bis zur eindringlichen Analyse der Sammlung neuer Lieder vom Jahre 1983. Ging es zunächst um eine notwendige Rückbesinnung auf das "überkommene Glaubenserbe" (für die das Evangelische Kirchengesangbuch von 1950 steht - auch mit dem Lied "Die Nacht ist vorgedrungen"!), so gewinnt der Einsatz für die in großer Vielfalt entstehenden neuen Lieder immer mehr Raum. Das schließt die kritische Auseinandersetzung mit ihnen durchaus ein. Der Blick reicht dabei über die Kirchenmusik hinaus und erfasst das Problem der neueren Musik überhaupt zwischen alten Hörgewohnheiten und modernen Stilmitteln. Ein konkretes Beispiel für das eigene Komponieren in diesem Spannungsfeld bietet sein Referat vor Studierenden der Kirchenmusikschule Dresden. Schließlich - und zeitlich mittendrin - wird auch die Verlegenheit des Komponisten angesichts der Anforderungen, immer wieder Neues hervorzubringen, mit Humor in selbstkritischer Distanz betrachtet. Aus allen Texten wird deutlich, dass der Komponist seine Tätigkeit als Kirchenmusiker vor allem als energischen Einsatz für "das neue Lied" auf allen ihm zugänglichen Ebenen verstand - in der Gemeinde, auf Singwochen, in Gremien, in Medien und nicht zuletzt mit dem Bleistift auf dem Notenblatt.

(Erster Teil eines Referates, gehalten bei der Arbeitstagung der hauptberuflichen Kirchenmusiker von Berlin-Brandenburg am 27. Juni 1956 im Haus des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin-Grunewald)

Verehrte, liebe Frau H…!
Sie haben einen Kirchenmusikabend mit Werken zeitgenössischer Tonsetzer erlebt und sind, wie Sie sagen, ratlos. Sie finden keinen Zugang zu dieser Musik, die Sie als fremd und unnatürlich empfinden. Und Sie stellen die ernste Frage, ob solche Musik in die Kirche gehört, ob sie Evangelium verkündigen kann. Lassen Sie mich mit dieser für uns entscheidenden Frage beginnen!

(Referat vor den Kirchenmusikern der Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchenmusiker in Erfurt am 11.10.1982, in Magdeburg am 8.11.1982 und in Friedrichroda im November 1982, nachträglich aufgezeichnet und zum Teil verändert im Juli 1983)[1]

Furchtbarer trifft kein Urteil Gottes als dies: Du hast den Namen, dass du lebest – und bist tot. Verglühtes Feuer, erstarrtes Leben! Niemand kann sagen, dass er vor der Erstarrung sicher sei. In jedem Glaubensleben, sei es das eines einzelnen oder einer Gemeinde, kommt die Stunde, da das Feuer zu erlöschen droht.